Villa Testudo / Nachzucht/ Jungtiere  /  Gewichtsentwicklung


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Grundsätzliches

Immer wieder wird die Frage nach der Gewichtsentwicklung von Europäischen Landschildkröten gestellt. Deshalb habe ich mich entschlossen meine teilweise langjährigen Aufzeichnungen zu veröffentlichen.

Hier sehen Sie einen Schlüpfling der griech. LS, der Ostrasse und drei Schlüpflinge der Westrasse. Man sieht hier schon den deutlichen Größenunterschied.

Zu einem Punkt möchte ich vorab ganz speziell Stellung beziehen.

 

Es gibt eine sehr unterschiedlich geführte Diskussion über das Wachstum. Ich erhalte ab und zu Anfragen ob gewisse Tiere nicht zu schnell wachsen würden.

Ich kenne seit vielen Jahren Jungtiere von mehr als 10 Züchter. In den Foren und auf den Brettern schreiben oftmals Menschen die noch keine oder fast keine Zuchterfahrung haben und daher nur Gehörtes weitererzählen.

 

Auch ich habe in den letzten 30 Jahren meiner LSK-Haltung immer wieder etwas dazu gelernt und das ist auch gut so. Meine jetzigen Tiere wachsen auch langsamer als früher, unter anderem auch dank dem AGROBS-Futter (das aber erst seit 1999 durch meine Hilfe auf den Markt kam - siehe AGROBS-Seite).

Außerdem ist ein sehr unterschiedliches Wachstum bei vielen Tieren festzustellen (näheres weiter unten). So habe ich derzeit (Frühling 003) noch

2 weibl. Thb aus NZ 95 (also 7 1/2-jährig) die jetzt 520 bzw. 680 Gramm wiegen, 

2 weibl. Thb aus NZ 98 (also 4 1/2-jährig) die jetzt 270 bzw. 370 Gramm wiegen,

2 weibl. Thb aus NZ 99 (also 3 1/2-jährig) die jetzt 160 bzw. 208 Gramm wiegen. 

Man erkennt also, dass bei gleicher Haltung und Fütterung doch ein erheblicher Gewichtsunterschied innerhalb eines Jahrganges auftreten kann.

 

Ich erwähne hier mit Nachdruck, dass die teilweise verbreitete Meinung (woher auch immer sie kommen mag), das Schlupfgewicht dürfe sich im ersten Jahr nur verdoppeln, fern jeglicher Realität der Gefangenschaftshaltung ist. Wer hat denn schon über Jahre hinweg das Wachstum vieler Schlüpflinge im Naturbiotop beobachtet??? Die Aussage auf dem Schild einer Schildkrötenschutzstation erhält deshalb eine große Aussagekraft. Es zeigt nämlich, dass selbst im möglichst naturbelassenen Gelände der Station das Gewicht im Schlupfjahr bereits um über das Doppelte zunimmt. So wichtig eine möglichst naturnahe Haltung von kleinen Landschildkröten ist, so sind eben manche Faktoren nicht zu kopieren bzw. ist dies auch gar nicht notwendig. 

Hier ein Bild von der Schildkrötenstation in Gonfaron/Südfrankreich.

Im unteren Absatz wird von der Gewichtsentwicklung gesprochen. 

Aber man muss beim Vergleichen einiges beachten.

Wir dürfen nicht verkennen, dass im Biotop ganz andere Voraussetzungen zum Zeitpunkt des Schlupfes vorhanden sind als bei uns im Frühbeet oder Terrarium

Die Tiere schlüpfen dort, nicht wie bei uns im Juli/ August, sondern im September/Oktober - nach dem ersten Regen, wenn die Erde weich ist und das Wachstum der Pflanzen wieder beginnt. Dann haben die Tiere nur noch wenige Wochen bis die Winterruhezeit beginnt - die Nächte werden länger und es regnet häufiger. Selbst unter diesen Voraussetzungen nimmt das Gewicht im Schlupfjahr um über das Doppelte zu, nämlich von 10 Gramm im 1. Jahr über 25 Gramm im zweiten Jahr und dann auf 60 Gramm im 3. Jahr. Das ist das 6-fache des Schlupfgewichtes innerhalb von 24-26 Lebensmonaten !!!

 

 

Durch zweimaligen Besuch kenne ich die Größe und Gewichte der Tiere aus Südfrankreich (Schutzstation in Gonfaron). Dort werden wirklich Hunderte von Babyschildkröten, 1-, 2- und 3-jährige Tieren gehalten, bis sie dann bei entsprechender Größe ausgesetzt/ausgewildert werden.

Dies ist die Situation unter den Temperaturbedingungen im Naturbiotop! 

Wichtiges für Anfänger in der Haltung!

Viele Neulinge in der LSK-Haltung sind sich unsicher und befürchten, dass das Gewicht der Jungtiere nicht in Ordnung wäre.

Wir können aber die Schlüpflinge nicht schon nach 6 Wochen in die Winterstarre geben, das wäre ja dann schon im September. Also wachsen unsere Tiere eben 3-4 Monate bis sie bei uns in die Winterruhe kommen. Allein schon aus diesem Grund sind unsere Tiere schwerer wenn sie in die Winterruhe kommen, als die Tiere im Naturbiotop.

Ein weiterer Punkt des schnellen Wachstums ist eine kürzere Winterstarre, die wir den Tieren im ersten (und vielleicht auch zweiten) Winter bieten. Im Naturbiotop halten die Schlüpflinge auch eine kürzere Winterruhe wie die adulten Tiere, aber wir bieten ihnen im Terrarium einen schönen Herbst mit reich gedecktem Tisch. Nach 2 Monaten Winterruhe gibt es einen wunderschönen Frühling im Terrarium, dieser ist meist viel zu kurz und wechselt zu schnell in den Sommer über. Wo sind bei uns die Regentage, ohne Sonnenschein im Terrarium? Diese gibt es in den Frühlingsmonaten öfters in ihren Heimatländern.

Und noch etwas: Wo sind bei uns die Hitzewochen im Sommer, in denen die Tiere verkrochen bleiben?

Das heißt also, dass die jährlichen Wachstumsphasen bei uns im "geschützten Bereich" wesentlich länger sind als in der freien Natur.

Insofern ist bei uns eben manch eine Schildkröte nach 2 Jahren so "groß UND schwer" wie in der freien Wildbahn nach 3 oder gar 4 Jahren, bei richtiger/guter Ernährung.

Aber das alles ist nach meiner Erfahrung nicht von Nachteil, viel tragischer ist eine falsche Ernährung (zu proteinreich, zu wenig Rohfaser u.a.) und eine zu trockene Haltung, die dann zu irreparablen Schäden führen.

 

Angestrebt soll dieses schnelle Wachstum nicht werden, andererseits gibt es auch in der freien Natur Tiere die recht zügig wachsen und nicht am "Hungertuch" nagen müssen. 

Hier ein Beispiel!

Diese beiden Tiere sind in etwa gleich alt. Das Tier in Griechenland wird 8 Jahre alt sein. Man sieht hier deutlich die einzelnen Wachstumsringe und man kann gut das Alter nachrechnen. Die Tiere im Freiland bilden pro Jahr 1 Wachstumsstreifen. In der Gefangenschaftshaltung, insbesondere bei Terrarienhaltung werden meistens 2 Streifen gebildet. Dies sollte allerdings nicht angestrebt werden. Die Tiere sollten immer mal wieder eine "Wachstumspause" haben dürfen. Im Freiland geschieht dies auf natürliche Weise (Regentage oder Sommerhitze). Gerade bei Terrarienhaltung kann dies ein Problem darstellen, da es immer schön warm ist.

 

Das Tier aus der Villa-Testudo ist ein 7-jähriges Weibchen das sehr schön glatt und hochrückig gewachsen ist. In den ersten 2 Jahren wurde es im Frühling und Herbst im Terrarium gehalten, im Sommer lebte es immer im beheizbaren Frühbeet mit Freigehege.

 

Das Tier in Griechenland zeigt deutlich, dass auch im Naturbiotop breite Wachstumsstreifen bei den Tieren gebildet werden. Ich hatte viele solcher Tiere gesehen. 

Für mich ist wichtig, dass Größe und Gewicht zusammenpassen.

Wenn Sie schon ein mal Tiere in freier Natur "in der Hand" gehabt haben, dann geben Sie mir recht: Die Tiere sind alle "steinschwer"!

Da gibt es bei unserer Haltung oftmals Probleme, weil viele Tiere einfach zu leicht sind im Verhältnis zur Panzerlänge. Wenn ich ein Tier in der Hand halte fühle ich sofort ob es zu leicht oder "richtig" (nicht zu schwer) im Gewicht ist. Bei richtiger Ernährung gibt es keine Europ. Landschildkröte die "zu dick" ist, solange sie sich noch im Wachstum befindet (ausgenommen die sog. Vierzehenschildkröten, Testudo (Agrionemys) horsfieldii.

Das natürliche Bedürfnis einer kleinen LSK ist möglichst schnell groß zu werden. Das hat zwei Gründe. Je schneller sie groß wird, desto geringer wird die Anzahl ihrer Fressfeinde, die ihr nachstellen können. Und zweitens will sie möglichst schnell geschlechtsreif werden und für Nachwuchs sorgen (der Lebenssinn jeden Tieres).

Wenn wir die Tiere großhungern ist die Gefahr vorhanden, dass sie viel anfälliger für Krankheiten sind und dann wegen Kleinigkeiten (Parasiten o.ä.) in Todesgefahr kommen.

Ich persönlich trete auch dafür ein, den Jungtieren einen Fastentag vom Grünzeug pro Woche zu verordnen (dann fressen sie Trockenes das sie finden), desweiteren sollte man regelmäßig im Frühling 1 oder 2 Tage pro Woche "schlechtes Wetter" ohne Sonnenschein und dafür mit Regen simulieren.

 

Weiterhin sind folgende Punkte beachtenswert:

Ein stark unterschiedliches Schlupfgewicht wird erst nach 2-3 Jahren ausgeglichen.

Das Erkennen des Geschlechts ist nach meiner Erfahrung im dritten Jahr möglich, wenn die Tiere ca. 200 Gramm erreicht haben.

In manchen Jahren ist eine starke Gewichtszunahme zu verzeichnen, in anderen bleibt das Gewicht fast unverändert.

Die erste Eiablage erfolgt nicht nur vom Gewicht ausgehend, sondern ist primär altersbedingt, nach meinen Kenntnissen frühestens nach 7 Jahren, in der Regel aber ca. 10 Jahre.

Man erkennt auch, dass adulte Tiere, im Hochsommer ihr Höchstgewicht haben und dann im Spätherbst bis zu 10% an Gewicht wieder verlieren, bevor sie in die Winterruhe kommen. 

Bei kleineren Tieren ist ein kürzerer Abstand der Gewichtserhebung notwendig, um in der Vorbereitung auf die Winterruhe zu erkennen, dass der Magen-Darm-Bereich entleert ist.

Selbst meine Tiere aus der NZ 1989 befinden sich noch in der Wachstumsphase, wenn auch deutlich abgeschwächt. 

Ich zeige hier drei Tiere, die alles Nachzuchten von meiner Zuchtgruppe sind. Es sind Tiere der Jahrgänge 1997, 1998 und 1999. Die Tiere wurden alle gleich aufgezogen und wurden unter den selben Bedingungen gehalten.

Das Gewicht der Tiere betrug am 28.5.2000:

NZ 97: 136 Gramm - nach 35 Lebensmonaten

NZ 98: 106 Gramm - nach 23 Lebensmonaten

NZ 99: 105 Gramm - nach 11 Lebensmonaten

Alle drei Tiere sind glatt gewachsen und hoch gewölbt, mit Ausnahme der NZ 99. Dies sehe ich allerdings als normal an, da das Höhenwachstum erst zu einem späteren Zeitpunkt richtig einsetzt und für uns optisch gut zu erkennen ist.

Das 97-er Tier ist nicht ausgesprochen langsam gewachsen. Das 99-er Tier war damals allerdings das größte dieses Jahrgangs.

 

Griechische Landschildkröten - Ostrasse und sog. Herci

Es gibt schon im ersten Jahr erhebliche Unterschiede zwischen den Schlüpflingen.

Immer wieder ist die Gewichtsentwicklung von Jungtieren ein großes Thema bei E-Mail Anfragen, in den Foren, ja allgemein bei Anfängern unseres schönen Hobbys. Leider gibt es auch bei diesem Thema Verfechter unterschiedlicher Sichtweisen.

Mich wundert manchmal wirklich, wer bei diesem Thema immer so eine extreme Position einnimmt. Wenn man "dahinter" schaut, dann findet man keine oder sehr wenig Erfahrung mit der Aufzucht von Jungtieren über mehrere Jahre hinweg.  

Manchmal lächle ich in mich hinein, manchmal ärgert es mich aber auch richtig, dass Dinge nicht genau beleuchtet werden und Alles nur in "ein Schema" gepresst wird.  

Diese 4 Tiere zeigen beispielhaft wie unterschiedlich Tiere sich entwickeln können und welche weitere Fakten bei einer richtigen Beurteilung eines "artgerechten" Wachstums zu berücksichtigen sind.

Die linke Spalte zeigt 2 Testudo (hermanni) hercegovinensis, die rechte Spalte 2 Testudo hermanni boettgeri. Die Tiere "oben" sind Schlüpflinge vom ersten Gelege, die Tiere "unten" vom dritten Gelege des Jahres 2005 aber jeweils vom selben Muttertier. Das Bild wurde am 4.3.2006 gefertigt.

Griech. LS Westrasse, Testudo hermanni hermanni

Nun eine Übersicht von 3 Thh aus der Nachzucht 2000

Die Erklärungen zeigen, ob die Tiere im Terrarium oder Frühbeet gehalten wurden, ebenso Beginn und Ende der Winterstarrezeit.

 

Breitrandschildkröte - Testudo marginata

Diese kleine Breitrandschildkröten (Testudo marginata) waren zum Zeitpunkt des Fotos genau 1 Tag alt. Sie schlüpften am 23.6.2002. 

Das eigentlich Wichtige an diesem Bild ist der Gewichts- und Größenunterschied, hervorgerufen durch die unterschiedlichen Größen der Eier. Die verschiedenen Weibchen legen normalerweise immer gleich große Eier, aber eben das eine Weibchen legt immer kleinere Eier und das andere Weibchen immer größere Eier. So legte im Frühjahr 2002 ein Weibchen 10 kleine Eier und das andere Weibchen 7 große Eier.

Gewichtsentwicklung über 4 Jahre hinweg

Zur Orientierung habe ich diese Übersicht der Gewichtsentwicklung von 5 Breitrandschildkröten des Jahrganges 2001 eingefügt.

Winterruhe im Kühlschrank bei 4-6°C.

Ich empfehle daher, die Tiere mindestens monatlich zu wiegen und eine Gewichtsliste zu erstellen. Somit können Sie vergleichen wie viel das jeweilige Tier zugenommen hat. Eine stetig, gleich hohe Gewichtszunahme ist nicht normal. Es wird immer gewisse Schwankungen geben.

Bilderserie über 7 Jahre hinweg

Diese Bilder zeigen hier das gleiche Tier wie es sich innerhalb von 7 Jahren entwickelte.


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Diese Seite wurde am 18.11.2017 zuletzt aktualisiert

 

 
 
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